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 Stummfilmzeit
 
Die erste öffentliche Filmvorführung fand am 5. Februar 1894 im New Yorker Stadtteil Manhattan statt und wurde von Jean-Aimé Le Roy veranstaltet. Die erste öffentliche Filmvorführung vor einem zahlenden Publikum fand hingegen erst am 1. November 1895 im Berliner „Wintergarten“ durch die Brüder Skladanowsky statt. Am 28. Dezember 1895 veranstalteten dann in einem Kellersalon („Salon Indien“) des „Grand Café“ in Paris die Lumières ihre erste öffentliche Vorstellung. Die erste belegte öffentliche Kinovorführung Österreichs fand am 20. März 1896 in der Wiener Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproduktionsverfahren mit dem Lumière'schen Kinematographen vor geladenem Publikum statt.

Mit der Erfindung des Films, also „bewegten Bildern“ oder „lebender Fotografie“, wie das neue Medium damals häufig bezeichnet wurde, ergab sich eine neue Attraktion für die Schaubuden und Panoptiken. Nachdem die Gebrüder Lumière ab 1895 mit ihrem Filmprojektor, dem Cinématographen – der sowohl Filme aufnehmen als auch wiedergeben konnte – die großen Städte der Welt bereisten und ihren Projektor bewarben, beschafften sich viele Schaubudenbesitzer oder andere geschäftstüchtige Personen das Gerät. Als Konkurrenz zur Apparatur der Lumières, dem Cinématographe, kaufte Edison die Projektorversion von Armat und ließ sie unter dem Namen Kinetograph patentieren, produzieren und verkaufen. Auch die Erfinder und Geschäftsleute Max und Emil Skladanowsky und William K. L. Dickson entwickelten ähnliche Geräte. Ihre Filmaufnahmegeräte und -projektoren verbreiteten sich jedoch nicht so rasch und in dem Ausmaß, wie der Cinématograph der Lumières, der sich bald weltweit als „Standardgerät“ durchgesetzt hat. Frühe Filmemacher und Amateurfilmer benutzten ihn, um erste Dokumentarszenen aufzunehmen. Schaubuden-, Panoptiken- und bald auch die ersten Kinobesitzer verwendeten ihn als Vorführgerät.

Zuerst wurden nur alltägliche Szenen oder gespielte Witze aufgenommen und gezeigt. Die Filme waren schwarzweiß, stumm, mit einer Bildgröße von 18x24 mm, also dem Seitenverhältnis von 3:4. Sie wurden anfänglich mit einer Geschwindigkeit von 18 Bildern/sek vorgeführt – bis zum Tonfilm stieg sie auf 24 Bilder pro Sekunde. Da bis zum Tonfilm die Aufnahmegeschwindigkeit oft variierte und die Vorführgeschwindkeit häufig um ein, zwei Bilder höher lag, sind die meisten Stummfilme immer eine Spur zu schnell.

Abgesehen von Schaubuden waren auch Gasthäuser oder Hotels wichtige Orte der Filmvorführung. In manchen Fällen wurden diese Räume dauerhaft zu Kinos umgestaltet. In anderen Fällen, vor allem in kleineren Städten und ländlichen Gebieten, wurden sie nur gelegentlich für Filmvorführungen genutzt: etwa wenn Wanderkinos zu Gast waren. Diese zogen Zirkusartig von Ortschaft zu Ortschaft – manchmal waren es auch Zirkusse, die sich auch als Filmvorführer betätigten – um in Gasthäusern oder Gemeindesälen für mehrere Tage ihr Filmprogramm vorzuführen. Durch ihre ständige Wanderschaft benötigten sie vor allem in den ersten Jahren nur wenige Filme, die sie immer wieder vor einem neuen Publikum zeigen konnten. In den USA wurde außerdem das Programm der Varietétheater mit Filmen bereichert, was sich in Deutschland allerdings nicht durchsetzen konnte.

Die Filme überschritten selten die Länge von einer Minute. Die Faszinierung, „lebende Bilder“ zu sehen, war in den ersten Jahren ausreichend, große Menschenmengen zu begeistern. Erst als sich der Sensationswert allmählich erschöpfte, wurde begonnen, gegenwärtige Ereignisse zu dokumentieren oder kurze, in der Regel komische, Geschichten aufzunehmen. Der Dokumentar- und Spielfilm, respektive die Filmkomödie entstand. Dadurch konnte das Publikumsinteresse weiterhin aufrecht gehalten werden. In vielen Schaubuden nahmen Filmvorführungen größer werdenden Raum ein, während die anderen „Kuriositäten“ immer mehr zurückgedrängt wurden. Nach und nach, etwa ab 1900, gaben viele das Schaubudengeschäft vollkommen auf und widmeten sich nur noch den Filmvorführungen: die ersten Kinos waren geboren. Bis zu einer flächendeckenden Versorgung der Städte Europas und den Vereinigten Staaten mit Kinos dauerte es in den meisten Ländern jedoch noch bis etwa zum Ersten Weltkrieg. Danach war – einhergehend mit immer aufwändiger hergestellten und längeren Filmen – vor allem der Ausbau der Kinos vorrangig.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kino


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